Die günstigste Lösung ist selten die, die am Anfang am wenigsten kostet.
Das gilt für Autos. Für Mitarbeiter. Und für Websites.
WordPress hat einen Ruf wie Donner: kostenlos, flexibel, überall. Über 40 % des gesamten Internets läuft darauf. Das ist keine kleine Zahl. Aber eine Zahl sagt dir nicht, wie viel Schmerz hinter ihr steckt.
Ich habe beide Welten gebaut. WordPress-Installationen, die nach drei Jahren aussahen wie ein Serverraum nach einem Umzug — Kabel überall, nichts beschriftet, niemand weiß mehr warum. Und Custom-Lösungen, die nach fünf Jahren noch genauso laufen wie am ersten Tag. Ehrlichkeit verlangt zu sagen: manchmal auch umgekehrt.
Lass uns rechnen. Nicht mit Hochglanz-Zahlen. Mit dem, was wirklich passiert. Über drei Jahre, alles drin. (Wie der reine Anschaffungspreis überhaupt zustande kommt, habe ich hier aufgeschlüsselt.)
Was WordPress wirklich kostet
WordPress selbst ist gratis. Aber WordPress allein ist wie ein leeres Lokal: du brauchst Tische, Stühle, eine Küche, Strom — und jemanden, der das alles zusammenhält.
Nehmen wir einen realistischen KMU-Auftritt: Startseite, ein paar Leistungsseiten, Kontaktformular, Blog, gepflegt von einer Agentur.
| Posten | Einmalig | Pro Jahr |
|---|---|---|
| Aufbau (Theme, Setup, Inhalte) | 2.500 € | — |
| Premium-Theme / Page-Builder-Lizenz | — | 80 € |
| Plugins (SEO, Cache, Sicherheit, Forms, Backup) | — | 300 € |
| Managed-WordPress-Hosting | — | 300 € |
| Wartung & Updates (Care-Paket oder Stunden) | — | 720 € |
| Über 3 Jahre | ~6.700 € |
Das klingt handhabbar. Aber die teuersten Posten stehen nicht in der Tabelle.
Plugins altern. Ein Plugin, das 2023 perfekt lief, ist 2026 ein Sicherheitsloch — der Entwickler hat aufgehört, es zu pflegen. Du merkst es erst, wenn deine Seite gehackt wird oder ein Update alles zerschießt. Das ist kein Ausnahmefall. Das ist der Normalfall.
Jedes Mal, wenn WordPress ein größeres Update macht, zittert irgendein Teil deines Setups. Manchmal fällt das Kontaktformular aus. Manchmal die Galerie. Manchmal — der teuerste Fall — die ganze Seite, während ein Kunde gerade buchen wollte. Die Stunden, die jemand braucht, um das zu reparieren, stehen in keinem ursprünglichen Angebot. Sie tauchen auf der Rechnung auf.
Was Custom-Code wirklich kostet
Ein sauber entwickeltes Custom-Projekt mit Next.js kostet im Aufbau mehr als eine WordPress-Installation. Das ist keine Meinung, das ist Mathematik. Handarbeit kostet mehr als ein zusammengeklicktes Theme.
| Posten | Einmalig | Pro Jahr |
|---|---|---|
| Aufbau (individuell entwickelt) | 4.500 € | — |
| Lizenzen | — | 0 € |
| Hosting | — | 150 € |
| Wartung (Dependency-Updates, ein paar Mal im Jahr) | — | 250 € |
| Über 3 Jahre | ~5.700 € |
Mehr am Anfang. Das gebe ich zu. Aber dann passiert etwas Interessantes — nämlich nichts.
Ein Custom-Build hat keine Plugins. Keine Plugin-Konflikte. Keine Abos, die sich still verlängern. Keine Theme-Updates, die das Layout zerlegen. Der Code macht genau das, was er soll. Nicht mehr, nicht weniger.
// Kontaktformular-Versand in Next.js — kein Plugin, kein Overhead
// app/api/contact/route.ts
import { Resend } from "resend";
const resend = new Resend(process.env.RESEND_API_KEY);
export async function POST(req: Request) {
const { name, email, message } = await req.json();
if (!name || !email || !message) {
return Response.json({ error: "Fehlende Felder" }, { status: 400 });
}
const { error } = await resend.emails.send({
from: "noreply@webmeon.at",
to: "info@webmeon.at",
replyTo: email,
subject: `Neue Anfrage von ${name}`,
text: `Von: ${email}\n\n${message}`,
});
if (error) {
return Response.json({ error: "Versand fehlgeschlagen" }, { status: 500 });
}
return Response.json({ success: true });
}
Das ist der gesamte E-Mail-Versand. Kein Plugin, das gehackt werden kann. Keine Datenbank-Einträge, die sich anhäufen. Nur Code, der eine Aufgabe hat und sie tut.
Der Punkt, an dem sich die Kurven kreuzen
Schau dir die beiden Endsummen an. WordPress startet billiger und endet bei rund 6.700 Euro. Custom startet teurer und endet bei rund 5.700 Euro.
Das ist der Teil, den die erste Zahl im Angebot verschweigt: Der Aufpreis für Custom-Code ist kein Aufpreis. Es ist eine Vorauszahlung, die sich über die Laufzeit zurückholt — und irgendwo im dritten Jahr kreuzen sich die Linien. Ab da baust du Vorsprung auf statt Kosten.
Und das ist nur das Geld. WordPress wird teurer mit der Zeit. Custom-Code wird günstiger — und schneller, und ruhiger. Bei Google ist Ladezeit ein Rankingfaktor; die schnelle Seite verdient also zweimal.
Headless: das Beste aus beiden Welten?
Es gibt einen Mittelweg, den ich manchmal empfehle: Headless WordPress. WordPress nur als Redaktionssystem im Hintergrund, Next.js als Frontend. Der Redakteur bekommt die vertraute Oberfläche, der Besucher eine schnelle, sichere Seite.
Vorteile: keine Plugin-Lücken im Frontend, bessere Performance, volle Design-Kontrolle. Nachteil: komplexer im Aufbau, teurer in der Entwicklung — und du zahlst trotzdem WordPress-Hosting.
Für die meisten KMU ist das Overkill. Für Content-schwere Unternehmen mit eigenem Redaktionsteam kann es der richtige Kompromiss sein.
Wann WordPress die richtige Wahl ist
Ich sage das ungern, weil ich Custom-Code baue. Aber es wäre unehrlich, es nicht zu sagen. WordPress ist sinnvoll, wenn:
- Du die Seite selbst pflegen willst und WordPress bereits kennst.
- Das Aufbau-Budget unter 2.000 € liegt und du das Risiko der Folgekosten bewusst eingehst.
- Du einen WooCommerce-Shop betreibst, der auf dem Ökosystem aufbaut.
- Du eine temporäre Lösung brauchst — Proof of Concept, Event-Landingpage, Pilot.
WordPress ist ein Werkzeug. Werkzeuge sind nicht gut oder schlecht. Sie passen oder passen nicht.
Wann Custom-Code die richtige Wahl ist
Custom-Code ist sinnvoll, wenn:
- Du eine Seite für fünf Jahre oder länger planst.
- Performance und SEO strategisch zählen — Core Web Vitals, Ladezeit, Crawlbarkeit.
- Du Funktionen brauchst, die kein Plugin sauber löst: Buchungssysteme, Kundenportale, API-Integrationen.
- Du keine Lust auf Überraschungsrechnungen hast.
Eine Custom-Website ist kein Luxus. Sie ist eine Entscheidung für Kontrolle über das eigene digitale Fundament.
Die Frage hinter der Frage
Wenn jemand mich fragt „WordPress oder Custom?", höre ich eigentlich: „Wie viel Kontrolle will ich abgeben?"
WordPress gibt dir Geschwindigkeit zu Beginn. Es nimmt dir Kontrolle im Laufe der Zeit — durch Abhängigkeiten, durch Plugin-Entwickler, die aufhören, durch Sicherheitslücken, die du nicht siehst, bis es zu spät ist.
Custom-Code gibt dir Kontrolle von Anfang an. Es verlangt dafür mehr Vertrauen in den Entwickler — weil du nicht einfach einen anderen Plugin-Anbieter wählst. Du wählst eine Person. Oder eine kleine Werkstatt wie diese.
Das ist keine technische Entscheidung. Das ist eine Vertrauensentscheidung.
Eine Datenbank vergisst nichts. Aber sie versteht auch nichts. Was du hineinbaust, bestimmt, was du Jahre später herausbekommst.
Bau weise.
Quellen
- W3Techs — Usage Statistics and Market Share of WordPress (Marktanteil WordPress, ~42 % aller Websites, Stand 2026)



