Ein Angebot über 800 Euro. Ein anderes über 18.000 Euro. Beide für "eine professionelle Website".
Irgendwo dazwischen liegt die Wahrheit — aber nicht dort, wo du vielleicht vermutest.
Ich werde dir nicht sagen, was eine Website kosten soll. Ich werde dir erklären, was du tatsächlich kaufst, wenn du einen bestimmten Preis zahlst. Und was du nicht kaufst, auch wenn es im Angebot steht.
Das Problem mit dem Wort "Website"
Eine Website ist kein Produkt. Sie ist ein System.
Genau wie eine Datenbank keine Zeilen speichert — sie verwaltet Zustände, Beziehungen, Abhängigkeiten. Eine Website, die "fertig" aussieht, hat Dutzende unsichtbare Schichten: Ladezeit-Optimierung, Sicherheits-Updates, SEO-Struktur, Barrierefreiheit, Analytics, Hosting-Konfiguration, Backup-Strategie.
Wer dir eine Website für 800 Euro anbietet, hat diese Schichten nicht vergessen. Er hat sie weggelassen.
Das ist kein Vorwurf. Es ist Mathematik. Bei einem Stundensatz von 80 Euro sind das zehn Stunden Arbeit. Du bekommst ein Template, ein paar angepasste Texte, vielleicht ein Logo eingebaut. Fertig. Funktioniert. Bis es nicht mehr funktioniert.
Die erste Wahrheit: Der Preis im Angebot ist der Einstiegspreis. Nicht der Gesamtpreis.
Was du wirklich bezahlst: Total Cost of Ownership
In der Softwareentwicklung gibt es einen Begriff, den Verkäufer gerne vermeiden: Total Cost of Ownership — die Gesamtkosten über die Lebensdauer eines Systems.
Für eine Website sieht das in der Praxis so aus:
| Kostenart | Günstige Lösung | Professionelle Lösung |
|---|---|---|
| Erstentwicklung | 800–2.500 € | 5.000–25.000 € |
| Hosting/Jahr | 50–200 € | 200–600 € |
| Wartung/Jahr | 0 € (bis etwas bricht) | 600–2.400 € |
| Plugin-Lizenzen/Jahr | 0–800 € | 0–400 € |
| Nachbearbeitung/Jahr | 500–3.000 € | 200–800 € |
| 5-Jahres-Total | ~8.000–18.000 € | ~9.000–32.000 € |
Die günstige Lösung ist nach fünf Jahren oft teurer. Nicht weil sie schlechter gebaut wurde — sondern weil sie für Wachstum nicht gebaut wurde.
Eine Datenbank, die mit 100 Einträgen schnell läuft, kann mit 10.000 Einträgen kollabieren. Nicht weil die Daten mehr wurden. Sondern weil die Indizes fehlen. Dasselbe gilt für Websites: Was bei drei Seiten funktioniert, kann bei dreißig Seiten zur Wartungshölle werden.
WordPress vs. Custom Code: Die ehrliche Rechnung
Das ist die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird. Und die Antwort ist unbefriedigend: Es kommt darauf an.
Aber ich kann dir sagen, worauf es ankommt.
WordPress ist sinnvoll, wenn:
- Du oder dein Team die Inhalte selbst pflegen wollt — ohne Entwickler
- Das Budget unter 5.000 Euro liegt und die Anforderungen klar begrenzt sind
- Du ein Standard-Informationsprojekt baust, das kein komplexes Datenmodell braucht
Custom Code ist sinnvoll, wenn:
- Performance und Core Web Vitals geschäftskritisch sind (z. B. E-Commerce, Lead-Generierung)
- Du spezifische Integrationen brauchst, die kein Plugin sauber löst
- Deine Website in drei Jahren anders aussehen soll als heute — und du das nicht von Plugin-Kompatibilität abhängig machen willst
Ein konkretes Beispiel. Eine Next.js-Seite mit statischer Generierung lädt in unter 400ms. Eine WordPress-Seite mit fünf Plugins, die alle beim Seitenaufruf Datenbankabfragen machen, kann bei 2–4 Sekunden landen. Google misst das. Nutzer verlassen Seiten nach drei Sekunden. Das ist kein Stilproblem. Das ist ein Umsatzproblem.
// Next.js: Seite wird zur Build-Zeit generiert — kein Datenbankaufruf beim Nutzer
export async function generateStaticParams() {
const { data: pages } = await supabase.from("pages").select("slug");
return pages.map((p) => ({ slug: p.slug }));
}
export default async function Page({ params }: { params: { slug: string } }) {
const { data: page } = await supabase
.from("pages")
.select("*")
.eq("slug", params.slug)
.single();
return <PageContent page={page} />;
}
// Ergebnis: Statisches HTML, ausgeliefert vom CDN-Edge.
// Keine Datenbankverbindung. Keine Wartezeit. Keine Überraschungen.
Das ist kein Luxus. Das ist Architektur. Und Architektur kostet Zeit — und damit Geld — in der Planung, nicht in der Ausführung.
Festpreis vs. Stunden: Was die Vertragsform über den Anbieter verrät
Ein Festpreis klingt sicher. Ist er aber nur, wenn das Scope klar ist.
Das Problem: Die meisten Kunden wissen zu Beginn nicht genau, was sie wollen. Das ist keine Schwäche — es ist normal. Anforderungen entwickeln sich. Und genau hier wird der Festpreis zur Falle.
Für den Kunden: Jede Änderung wird zum "Change Request" — mit eigenem Angebot, eigener Wartezeit, eigenem Preis. Das Gefühl von Kontrolle kehrt sich um.
Für den Entwickler: Ein zu knapp kalkulierter Festpreis führt zu Abkürzungen. Kein Entwickler arbeitet gerne für weniger als seinen Stundensatz. Also wird das Scope stillschweigend geschrumpft. Nicht bösartig — pragmatisch. Aber du merkst es erst, wenn du nach einem Feature fragst, das "eigentlich selbstverständlich" war.
Mein Ansatz: Ein klar definiertes Grundpaket zu Festpreis, kombiniert mit einem transparenten Stundensatz für Erweiterungen. Du weißt, was du bekommst. Und du weißt, was Extras kosten — bevor du sie bestellst.
Die versteckten Kosten, die niemand nennt
Ich nenne sie trotzdem.
Domain und Hosting: Klingt trivial. Ist es nicht. Ein billiges Shared-Hosting für 3 Euro im Monat bedeutet geteilte Ressourcen, langsame Antwortzeiten, keine automatischen Backups. Für eine geschäftskritische Website ist das fahrlässig.
SSL, Updates, Sicherheit: WordPress veröffentlicht regelmäßig Sicherheits-Updates. Wer pflegt das bei dir? Wenn niemand — warte auf den Anruf, dass deine Website gehackt wurde. Es ist kein "Ob". Es ist ein "Wann".
Texte und Bilder: Fast jedes Angebot setzt voraus, dass du Inhalte lieferst. Professionelle Texte kosten. Lizenzfreie Bilder kosten. Fotografie kostet. Das sind keine Extras — das ist der Kern dessen, was Nutzer sehen.
SEO nach dem Launch: Eine Website, die niemand findet, ist ein teures Selbstgespräch. On-Page-SEO, technische Optimierung, strukturierte Daten — das ist keine Einmalarbeit. Es ist ein laufender Prozess.
Schulung: Wer erklärt dir, wie du Inhalte pflegst? Wer ist erreichbar, wenn du eine Frage hast? Manche Agenturen berechnen das extra. Manche nicht. Frag vorher.
Was ein faires Angebot enthält
Ein Angebot, dem ich vertraue, beantwortet diese Fragen — ohne dass ich sie stellen muss:
- Was ist explizit enthalten? Nicht "eine professionelle Website", sondern: fünf Unterseiten, Kontaktformular mit E-Mail-Weiterleitung, Google Analytics Integration, responsives Design für Mobile/Tablet/Desktop.
- Was ist explizit ausgeschlossen? Texterstellung, Fotografie, SEO-Betreuung nach Launch.
- Was passiert nach dem Launch? Wer ist Ansprechpartner? Welche Reaktionszeit? Zu welchem Preis?
- Wer hostet was? Und wer hat die Zugangsdaten — du oder der Entwickler?
Der letzte Punkt ist nicht trivial. Ich habe Kunden übernommen, die keinen Zugang zu ihrer eigenen Domain hatten. Die Website gehörte dem Entwickler — nicht dem Unternehmen. Das ist kein Einzelfall.
Was du mit diesem Wissen anfängst
Vergleiche keine Preise. Vergleiche Leistungsumfänge.
Ein 3.000-Euro-Angebot und ein 12.000-Euro-Angebot können dasselbe Ergebnis liefern — oder völlig unterschiedliche. Der Preis allein sagt dir nichts. Die Fragen, die ein Anbieter stellt, bevor er ein Angebot macht — die sagen dir alles.
Wer ohne Briefing ein Pauschalangebot schickt, hat dein Projekt noch nicht verstanden. Er hat ein Template-Angebot verschickt. Das ist nicht böse. Aber es ist nicht das, was du brauchst.
Eine Website ist das erste, was potenzielle Kunden von dir sehen. Sie ist dein Schaufenster, dein Verkäufer, dein Empfang — gleichzeitig, rund um die Uhr.
Wie viel ist dir das wert?
Das ist die einzige Frage, die zählt. Alles andere ist Mathematik.



